Nicht finanzierbar: Das Aus für die Frauenfußball-Traditionsveranstaltung

Es war DAS Fußball-Highlight der Wintersaison. Mehr als 40 Jahre lang hat der TuS Jöllenbeck den Frauenfußball mit einer Veranstaltung gefördert und geehrt, die national und international einen immer höheren Stellenwert und Bekanntheitsgrad bekam. Aber damit ist es vorerst vorbei. Die beliebten »Weltklasse«-Turniere in Bielefeld-Jöllenbeck wird es wohl nicht mehr geben. »Die Entscheidung ist uns allen sehr, sehr schwer gefallen«, sagt Turnierdirektor Olaf Beugholt, »aber letztlich lässt sich eine solche Veranstaltung für einen Verein wie den TuS Jöllenbeck nicht finanzieren.«

Das 38. Internationale Frauen-Hallenfußball-Turnier im Januar 2018 war also das vorerst Letzte in der Geschichte. Der zweimalige Champions-League-Gewinner und Jöllenbecker Rekordteilnehmer Turbine Potsdam geht als letzter Sieger in die Annalen dieses weltweit einzigartigen Turniers ein. Schon in den vergangenen Jahren standen die Organisatoren immer wieder vor großen Herausforderungen, um das beliebte Turnier am Leben zu erhalten. Denn im Laufe der Jahrzehnte ist der Frauenfußball immer professioneller geworden und damit stiegen auch die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmer. »Das ist auch völlig verständlich«, sagt Olaf Beugholt, »Nationalspielerinnen bei Gastfamilien oder in Turnhallen übernachten zu lassen, wie das in der 1980er Jahren durchaus der Fall war, sowas ist heutzutage gar nicht mehr denkbar. Aber auch in diesem Jahr gab es noch Mannschaften, bei denen Spielerinnen zu viert auf einem Zimmer waren – ganz einfach, weil die Hotelkapazitäten nicht mehr hergaben.« Und ein anderes, größeres Hotel, war und ist für den TuS Jöllenbeck, der ausschließlich von lokalen und regionalen Sponsoren unterstützt wurde, nicht mehr finanzierbar. »Da sind wir immer mehr an die Grenzen des Machbaren gestoßen – und irgendwann geht es dann einfach nicht mehr, so weh diese Erkenntnis auch tut.«
Frauenfußball in Jöllenbeck – das bedeutete wirklich viele Jahre lang das hautnahe Erleben von Weltklasse-Fußballerinnen aus zig Nationen. Weltmeisterinnen, Olympiasiegerinnen, Europameisterinnen, U20-, U19- und U17-Welt- und Europameisterinnen, aktuelle Topstars und die Stars von morgen gaben sich in der kleinen, aber noch immer feinen Sporthalle der Realschule Jöllenbeck ein Stelldichein. »Ob in den 1980ern der dänische Italien-Profi Lone Smidt Hansen, Martina Voss, Birgit Prinz, Victoria Svensson, Yuki Nagasato oder Pernille Harder, Brasiliens zweimalige Olympia-Zweite Renata Costa oder Vivianne Miedema – sie alle waren hier und noch viele, viele andere große Namen und Persönlichkeiten«, erinnert sich Olaf Beugholt immer wieder gerne zurück an Stars ohne Star-Allüren.
»Ich möchte von ganzem Herzen allen danke sagen, die so viele Jahre dazu beigetragen haben, dass dieses unvergessliche Turnier mit seinem unverwechselbaren familiären Charme immer wieder zu einem großen Erfolg für alle Beteiligten wurde«, sagt Beugholt, »Dank den vielen ehrenamtlichen Helfern, den Sponsoren und natürlich auch meinem Vorgänger Peter Schmidt, der diese Veranstaltung 1977 aus dem Nichts gegründet, gefördert und schon zu seiner Zeit auf ein außergewöhnliches internationales Niveau gehoben hat.«